Rund 60 Teilnehmer diskutierten im Rahmen eines Fachtages unter der Überschrift „Ehrenamt an der Schnittstelle zwischen Arbeit und Ruhestand“ in der Katholischen Landvolkhochschule (KLVHS) Oesede am 7. Juni. Anlass waren die Fragen, was sich Menschen in der Phase des Vorruhestandes wünschen, wie Unternehmen damit umgehen und welche Rolle das Ehrenamt dabei spielt. Eingeladen hatten der Verein „Rückenwind für Bürgerengagement“, der Landkreis Osnabrück und die KLVHS Oesede.

Mit den Begriffen „Arbeit“, „Ruhestand“ und „Ehrenamt“ würden ganz unterschiedliche Themen angesprochen, so Peter Klösener, Vorsitzender des Vereins Rückenwind. Da gehe es um Arbeit 4.0, um Fachkräftemangel und Mitarbeiterbindung, aber auch um persönliche Lebensplanung und gesellschaftliche Verantwortung von Einzelnen und Unternehmen. „Die Lebensphase rund um den Eintritt in den Ruhestand hat unglaublich viele Facetten“, so Klösener. Und doch gebe es zahlreiche Schnittmengen.

Ute Schünemann-Flake stellte den Teilnehmenden ein Modell aus Nordrhein-Westfalen vor. Dort gibt es „ZWAR-Netzwerke“. ZWAR steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Hier bilden sich selbstorganisierte Gruppen von Menschen „ab Mitte fünfzig“, die gemeinsam Aktivitäten unternehmen, sich gegenseitig unterstützen und sich in ihrem Quartier engagieren. Die Startphase wird von der Initiative ZWAR begleitet. „Damit erreichen wir Menschen, die bisher von keinem Verein oder Verband erreicht wurden“, hebt Schünemann-Flake hervor.

„Menschen suchen gerade mit Blick auf ihren Ruhestand nach Sinn und sozialen Kontakten“, stellte Schünemann-Flake fest. Die ZWAR-Netzwerke seien darauf eine passende Antwort. Sie seien ein wichtiger Akteur bei der Gestaltung einer lebendigen Nachbarschaft.

Dass das ehrenamtliche Engagement Älterer steigt, machte Prof. Dr. Sebastian Braun von der Humboldt-Universität Berlin deutlich. „Inzwischen gibt es fließende Übergänge zwischen Erwerbsarbeit und ehrenamtlichem Engagement“, hob Braun hervor. Daher brauche man für den zivilgesellschaftlichen Bereich „Ehrenamts-Manager“.

„Das zivilgesellschaftliche Engagement von Unternehmen sollte auch in strategischen Überlegungen auf der Ebene der Geschäftsführung vorkommen“, forderte Prof. Braun. Dabei sei es sinnvoll, die Art des Engagements gemeinsam mit den Mitarbeitern zu überlegen. „Man muss von Ideen zu Visionen uns Zielen kommen“, sagte Braun.

Einig waren sich die anwesenden Vertreter von Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und Unternehmen, dass ein gesellschaftliches Engagement auch Vorteile für den Betrieb hat. Ein positives Image, Attraktivität als Arbeitgeber und die hohe Motivation von Mitarbeitern wurden beispielhaft benannt. Gleichzeitig war man sich jedoch auch einig, dass diese Vorteile nur schwer messbar sind.

Prof. Braun ermutigte Vereine und Initiativen dazu, auf Unternehmen zuzugehen und ihnen möglichst konkret zu sagen, welche Ziele sie gemeinsam angehen möchten. Oft sei das nicht so einfach, da Betriebe und Vereine sehr unterschiedlich arbeiteten, gab er zu bedenken. Freiwilligenagenturen könnten hier unterstützen, wenn um die Schaffung einer gemeinsamen Gesprächsebene gehe.

   
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